
Tyrann oder Held? Der Herr der Burg von Manerba, der Brescia herausforderte und eine Legende schuf.
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts, inmitten der Stille der Burgen und des Klirrens der Waffen, stach vor allem ein Name hervor: Leutelmonte.
Geboren in Esine, im Camuner Tal, hatte er sich mit List und Kraft der Rocca di Manerba bemächtigt und sie zum Herzstück seiner Herrschaft gemacht. Von dort aus regierte er ganz Valtenesi, wie ein nicht gewählter, aber gefürchteter und respektierter Herrscher. Die Abgaben landeten in seinen Händen, die Gesetze trugen seine Unterschrift. Und wer versuchte, ihn daran zu hindern… überlebte selten.
Die benachbarten Feudalherren betrachteten ihn eher als gefährlichen Feind denn als wertvollen Verbündeten. Leutelmonte war bekannt für seine Brutalität im Kampf, aber auch für seine Fähigkeit, Respekt und Ehrfurcht einzuflößen.
Eines Tages geschah jedoch etwas, das sein Ansehen für immer veränderte: Er befreite die junge Engarde, die Tochter des Herrn von Brescia Ardiccio degli Aimoni, die vom grausamen Herrn von Breno gefangen gehalten wurde. Er nahm sie mit zur Festung und gewann die Dankbarkeit von Ardiccio und die Bewunderung des Volkes. Von diesem Moment an wurde Leutelmonte nicht nur als Herrscher, sondern auch als Held angesehen.
Einsam und scheu verließ er sein Schloss nur selten. Wenn er es tat, dann um an den verlassenen Strand zu gehen oder auf dem See zu segeln, vielleicht auf der Suche nach Frieden.
Aber sein Schicksal war im Feuer der feudalen Kämpfe geschrieben. Auf dem Höhepunkt der Spannungen zwischen den Valvassori beschloss er, die Stadt Brescia offen herauszufordern. Mit mehr als 7.000 Männern an seiner Seite und der Unterstützung der treuen Gefährten Giraldo und Mazzucco marschierte er entschlossen in die Stadt. Aber auf ihn warteten die Truppen von Ardiccio. Und dort, vor den Mauern von Brescia, fand Leutelmonte den Tod.
Sein Leben – das aus Eroberungen, Heldentaten und Widersprüchen bestand – inspirierte in den folgenden Jahrhunderten zwei historische Romane von Lorenzo Erculiani: „I Valvassori Bresciani“ und „Leutelmonte“.
Eine Figur, die noch immer wie ein faszinierender Schatten über den Steinen der Festung schwebt, zwischen Mythos, Geschichte und Legende.